Das bild wurde uns von Photo Sliasthorp in Schleswig zur Verfügung gestellt.

Pastorin Kerstin Popp
Bahnhofstr.3
24850 Schuby

Tel.: 04621 / 4840050
email: popp@schuby.kkslfl.de

Liebe Gemeinde,
„du gehörst ja auch zur Risikogruppe“ – diese Bemerkung habe ich in den letzten Wochen oft gehört. Wie war das gemeint? Sollte mir signalisiert werden, dass ich das Recht habe, mich in meine vier Wände zurück zu ziehen und mich durch diesen Rückzug vor einer Ansteckung zu schützen? Oder war es sogar eine Aufforderung: bleib bloß zuhause, begib dich nicht in Gefahr, indem du einkaufen gehst oder – noch schlimmer! – indem zu dich mit Menschen triffst, die dich ungewollt anstecken könnten.
„Risikogruppe“ – wie sich das schon anhört. Plötzlich gibt es Unterschiede, die wir vor der Corona-Pandemie gar nicht kannten.
Dann lieber „systemrelevant“ sein. Das ist eindeutig besser. Mich freut es ungemein, dass nun ausgerechnet all die Berufsgruppen sich als „systemrelevant“ herausgestellt haben, die in unserer wirtschaftsverliebten Gesellschaft wenig Lobby hatten, zumal es in erster Linie Frauenberufe sind.
Der Ursprung fast aller Sozialberufe befindet sich nämlich in den unentgeltlichen Diensten der Nächstenliebe, die die Kirche tat, weil es sonst niemand tat.
Aus den Klöstern ging man in die Welt, missionierte und heilte gleichermaßen bis hin zu unseren Gemeindeschwestern, die es noch bis zur Einführung der Pflegeversicherung Anfang der 90er gab.
Missionsschwestern und Diakonissen verdienten für ihre Arbeit kein Geld, sie gehörten sogenannten „Mutterhäusern“ an, waren alleinstehend wie Nonnen und verbrachten ihren Lebensabend in bescheidenen Verhältnissen im Schoß der Kirche.
Diese Frauen kannten es nicht anders, sie wollten ihr Leben genau so (arm) verbringen, denn wichtig waren allein die Patienten, sie selber hatten eine rein dienende Funktion, im Auftrag Jesu Christi.
Heute ist die Sozialarbeit ganz und gar weltlich organisiert, auch in der Diakonie. Alle haben ein Recht auf eine auskömmliche Bezahlung.
Die meisten Männer und Frauen in den Pflegeberufen tun ihre Arbeit gern, weil die Arbeit mit Menschen immer spannend ist und Freude bereitet, wenn die Bedingungen stimmen.
Aber was ist mit uns, den „Risiko-Menschen“? Ja, es gibt ein Risiko, zu sterben. Mit dem Alter wird diese Möglichkeit immer größer. Lässt sich diese Tatsache leugnen, wenn wir aus der Öffentlichkeit verschwinden? Nein. Wir haben vor Corona in der Illusion gelebt, wir hätten den Tod im Griff. Krieg und Naturkatastrophen herrschen woanders, wir leben mit Vollkasko im Garten Eden. Da kann gar nichts passieren mindestens bis zum 100. Geburtstag.
Und nun hat dieses Virus gezeigt: wir sind und bleiben Geschöpfe, die ihr Leben lang wissen, dass sie sterblich sind. Diese Wahrheit gilt es immer wieder neu zu bedenken. Auf dass wir klug werden.
Mit herzlichen Grüßen, Ihre Pastorin Kerstin Popp
























Liebe Gemeinde,
nach dem ersten Schock über das Ausmaß der Pandemie mit Kontaktsperre, folgt nun die Phase der allmählichen Lockerung. Die Medien sind, neben den nun schon gewohnten Informationen zum Stand der Forschung, gefüllt mit Sorgen um die Wirtschaft. Doch allmählich liest man auch Nachdenkliches:
War der Mensch zu gierig geworden? Drehte die Erde sich nicht längst schon viel zu schnell auf allen Ebenen? Immer mehr Gewinn, immer weitere Reisen, immer öfter in den Urlaub – die Menschheit wie auf einem Karussel, das nun plötzlich zum Stillstand gezwungen wurde. Hat der Mensch selber schuld daran, dass es soweit kommen musste? Oder ist Gottes mächtige Hand in das irdische Treiben gefahren, weil es ihm zu bunt geworden ist?
All diese Fragen werden sich in Zukunft weiterhin stellen. Es sind Fragen nach dem Menschenbild, wenn wir diesen Virus als Mahnung verstehen, unseren Lebenswandel umzustellen. Wenn wir den Zustand der Erde betrachten, reden wir über Gottes Schöpfung und wie (schlecht) der Mensch mit ihr umgeht. Dass offenbar keine Regierung der Welt mit solch einer Pandemie gerechnet hat und deshalb auch keine Schutzmittel bereitstanden, zeigt: wir haben uns zu sicher gefühlt. Nun wurde uns die Wahrheit vor Augen geführt, wie nahe der Tod uns kommen kann, auch ohne Krieg. Nun wird die Frage debattiert, ob die Würde des Menschen zu schützen etwas anderes bedeutet als sein Leben zu schützen. Bitte erwartet auf all das keine einfachen Antworten, liebe Gemeinde. Seht vielmehr die Chance zum Reden, zum gemeinsamen Nachdenken, niemand hat die einzig richtige Wahrheit. Wahr ist aber für mich, dass Gott nach der Bibel für das Leben steht, das trotz aller Einschränkungen gelebt werden darf. Unser Weg mit ihm an der Seite geht weiter, mit vielen Zeichen zum Nachdenken und vielleicht auch neuen Einsichten, die zur Änderung alter Gewohnheiten führen. „Ändert euer Leben, kehrt zurück zu Gott“ – diese Mahnung vieler Propheten zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichten der Bibel bis zu Johannes, dem Täufer. Oft wurde dieser Ruf nicht wirklich ernst genommen von den Zuhörern, ihnen ging es gut. Was sollte passieren?
Ich werde weiter darüber nachdenken, was dieses „kehrt um zu Gott“ in dieser Krise für eine Bedeutung haben könnte. Dazu bitte ich Ihn, mir zu helfen, den rechten Weg auch zu erkennen.
Bleiben Sie behütet, Ihre Kerstin Popp










Gedanken zum Predigttext am Sonntag Kantate (10. Mai)

Den vollständigen Predigttext lesen Sie bitte in 2. Chronik 5, 2-14. Dies ist nur eine Auswahl von mir:
Salomo versammelte alle Ältesten Israels…damit sie die Lade des Bundes des Herrn hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebten Monat ist…Und alle Leviten, die Sänger waren…standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen 120 Priester, die Trompeten bliesen.
Und es war, als wäre es EINER, der trompete und sänge, als hörte man EINE Stimme loben und danken dem Herrn.
Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte „Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig“ –
Da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, so dass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke, denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.

Heute feiern wir den Sonntag Kantate – im Mittelpunkt steht die Musik und das Singen, das dem Gotteslob dient. Und ausgerechnet an diesem Sonntag ist das Singen in unseren Kirchen nicht erlaubt. Aus Vorsicht. Weil beim Singen besonders viele Aerosole aus dem Mund entweichen und das Virus verteilen könnten.
Das ist natürlich vernünftig, aber: ein Gottesdienst ohne Gesang ist wie Reiten ohne Pferd oder Schwimmen ohne Wasser – das geht gar nicht! Aber was sollen wir machen? Mir fällt dazu nur ein, dass es wieder bessere Zeiten geben wird, und darauf hoffe ich.
Zugegeben: viele Menschen singen eigentlich nicht gern, weil sie meinen, ihre Stimme sei nicht dafür geeignet. Sie sind froh, wenn es andere für sie tun. Bei Beerdigungen zum Beispiel, gerade wenn sie an anderen Orten als in der Kirche stattfinden, wird immer öfter etwas von der CD abgespielt. Die Trauergemeinde hört zu. Lieder, die der verstorbenen Person etwas bedeutet haben oder den Angehörigen gefallen.
So einen Song dann zu hören, ist oft für alle bewegend, selbst wenn sie selbst keine Verbindung dazu haben. Aber dann sollte auch wieder der Gemeindegesang dran sein. Selber zu singen, löst dann den Druck wieder, den die Trauer beim Zuhören auf das Herz gelegt hat. Man kann buchstäblich wieder aufatmen, ausatmen. Der Text des Liedes, der Trost spendet, weil es um das Gotteslob geht, hellt die Stimmung wieder etwas auf.
Das ist wichtig bei einer Trauerfeier, denn wir suchen in ihr ja gerade Trost und wollen Kraft schöpfen, um hinterher ins Leben zurückkehren zu können.
Singen ist ein Grundbedürfnis des Menschen, behaupte ich, es trägt zum Wohlbefinden bei, egal ob man nun gut singt oder brummt. Das ist doch egal. Insofern hadere ich mit diesem Verbot zu singen sehr.
In unserem Predigttext geht es am Sonntag Kantate selbstverständlich auch um Musik.
Wir lesen/hören, dass rund um das feierliche Ereignis, die Bundeslade mit den beiden Tafeln der Zehn Gebote in das Allerheiligste des Tempels zu bringen, eine geradezu bombastische Musik erschallte.
Hunderte verschiedener Instrumente erklangen gleichzeitig so harmonisch aufeinander abgestimmt, als wäre es EINER, der trompetete und sänge.

Mich erinnert das an die vielen wunderbaren Musikstücke und Gesänge im Internet. Was für eine Arbeit und Kunst der Technik, aus vielen Instrumenten, mit denen die Musikerinnen und Musiker zuhause dasselbe Stück spielten, EIN Stück zu machen, aus vielen Gesängen zuhause EINEN Chor entstehen zu lassen! Das anzusehen und natürlich vor allem auch anzuhören, hat mir Tränen der Bewegung in die Augen getrieben. Toll!
Alle Sänger_innen und alle Musiker_innen werden mir jedoch zustimmen, dass das nicht zu vergleichen ist mit einem gemeinsamen Auftritt life und in echt.
So harmonisch eins miteinander zu werden, dass es wie EINE Stimme klingt, ist erhebend und macht ganz einfach glücklich.
Glücklich und euphorisch waren sicher auch all die Menschen, die König Salomo eingeladen hatte, die Bundeslade zum Heiligtum zu begleiten. Sie sollte dort ihren endgültigen Platz erhalten.
Gottes Gebote, Gottes Stimme, ja Gott selbst, wurde in dieser Lade nach Zion gebracht. Und während sich alle Stimmen und alle Instrumente in einen Ton vereinten, der lobte „Gott ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig“ – da geschah es: da erfüllte die Herrlichkeit des Herrn in einer Wolke das Heiligtum.
Alle, die dabei waren, werden es vielleicht so ähnlich empfunden haben wie die Jünger_innen, als Jesus ihnen als Auferstandener erschien:
Das absolute Glücksgefühl, das die Herzen erfüllte und die Seele, als Gott sichtbar und fühlbar DA war.
Das gemeinsame Musizieren zum Gotteslob und natürlich auch das gemeinsame Singen des Gotteslobes bringt Menschen in Bewegung und erfüllt sie mit guten Gefühlen. Nicht nur Glück, das ist vielleicht nicht ganz der passende Ausdruck, es ist ja noch vieles andere dabei: ein innerer Friede, ein momentanes Erfülltsein oder sogar Euphorie, dass man sich einen Moment wie abgehoben fühlt im Einssein mit den anderen Stimmen oder Klängen.
Dafür machen wir Menschen immer wieder Musik. Sie ist ein guter Weg, sich mit Gott zu verbinden, ihn intensiv zu spüren und dadurch Glaubensgewissheit zu fühlen.
Natürlich ebbt dieses Gefühl wieder ab, man „ernüchtert“, Zweifel und Sorgen des Lebens kehren zurück. Trotzdem kann das Gotteslob dann wirken wie eine gute Medizin, die hilft, das Nervige und Unschöne, das auf einen wartet, anzugehen. Wie ich schon sagte: Gottesdienst ohne Gesang geht eigentlich nicht. Auf jeden Fall aber muss es Musik geben. Und die wird es nächsten Sonntag geben, verlasst euch drauf. Eure Pastorin Kerstin Popp









Gedanken zum Predigttext am Sonntag „Jubilate“ am 3. Mai

„Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch.
Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“
Johannesevangelium 15, 1 – 8

Allmählich wird es besser. Was jetzt lange geschlossen gewesen ist, darf wieder öffnen. Aufatmen. Liegt das Schlimmste nun hinter uns? Keiner kann das sagen. Also bleibt, trotz aller Freude über die Lockerungen, ein mulmiges Gefühl.
Der Virus ist ja immer noch da und wird auch noch lange Zeit bleiben.
Einerseits. Andererseits ist der Mensch auch immer voller Hoffnung auf Besserung. Wir können das durchstehen, schließlich lässt es sich auch in Haus und Garten gut leben. Niemand muss hungern. Man kann sich beschäftigen.
Einerseits. Andererseits läuft den Geschäftsleuten die Zeit weg. Irgendwann muss auch mal wieder Geld verdient werden, sonst kann diese Krise schlimm enden.
Einerseits das Gute, andererseits das Negative, so erleben wir diese Wochen der Krise, ein Ende noch nicht absehbar.
Und das mitten in der wunderschönen Natur, im Frühling, auch wenn es zu trocken ist, wir genießen dieses Grünen und Sprossen um uns her, die Düfte, die Geräuschkulisse der Vögel.
Gerade jetzt ist es schön, auf dem Land zu leben. Und auch wenn es bei uns im Norden zu kalt ist für den Weinanbau, einen Rebstock haben wir trotzdem vor Augen. Das Bild vom Weinstock und seinen Reben muss nicht weiter erklärt werden, das haben Jesu Jünger ebenso verstanden wie wir heute:
Jesus sieht sich mit uns eng verbunden, ja sogar untrennbar verbunden. Denn eine Rebe, die vom Stock getrennt wird, ist zum Sterben verurteilt. Sie vertrocknet in der Sonne.
Eine Rebe sollte ein Interesse daran haben, diese Trennung zu verhindern, wenn sie leben will. An einem Weinstock zu leben ist für eine Rebe nicht das Schlechteste, sie erhält eine 24/7 Rundumversorgung mit Wasser und Nährstoffen, sie muss dafür nichts selber dazu beitragen.
Dieses sorglose, volle Leben einer Rebe am Weinstock ist auch all jenen verheißen, die in Jesus bleiben. Die ihr Leben mit ihm so eng verbinden, dass einer nicht ohne den anderen kann.
Gott dankt es uns mit der Erfüllung unserer Gebete. Sollte sich jemand dennoch von Jesus trennen, so wird das kein gutes Ende nehmen. Die Drohung ist unmissverständlich.
Aber warum sollte jemand auf die Idee kommen, sich von Jesus zu trennen? Ich vermute, es bestand unter den Jüngerinnen und Jüngern doch immer wieder ein Zweifel, ob es klug ist, ihm zu folgen.

Einerseits: das Bild von dem Weinstock und seinen Reben gefällt mir. Ja, ich möchte so eng mit Jesus verbunden sein, möchte von Gott umsorgt werden, ich möchte mich geborgen fühlen in dieser Fürsorge. Mein Vertrauen in diese Nähe und Fürsorge wird nicht enttäuscht, ich darf mich fallen lassen wie in eine Hängematte. Von warmer Sonne umflutet darf ich mich baden in Liebe.
Andererseits: warum dann diese Drohung, nicht abzufallen, mich keinen Zentimeter zu entfernen? Dieses Bild einer abgefallenen, vertrockneten Rebe, um die sich niemand mehr kümmert, stört mich.
Aber ich muss zugeben, dass es eher der Wahrheit entspricht, dass es im Leben immer zwei Seiten gibt: das Bleiben provoziert den Gedanken ans Gehen, das Gefühl der engen Geborgenheit schlägt um in einen Freiheitsdrang und dem Wunsch nach Eigenständigkeit und Abstand.
Und so gibt es auch nicht den ungetrübten Glauben, das ständige Drin-Sein in Jesus, es gibt vielmehr ein Hin und Her von Nähe und Distanz. Mal fühle ich mich in Gott geborgen und mal erscheint er mir wie ein großes Fragezeichen.

Wenn sich jemand in einer Beziehung am wohlsten fühlt, wenn er mit dem anderen ganz verschmilzt, so dass nichts und niemand zwischen sie treten darf, fühlt sich der andere irgendwann eingeengt, ihm kommt der Partner zu dicht. Oft ist dann auch noch Eifersucht im Spiel, die die Liebe nach und nach vergiftet.
Merkt das Paar zu spät, dass die Enge dabei ist, die Liebe zu zerstören, folgt eines Tages der Befreiungsschlag, der Partner trennt sich, ja ergreift geradezu die Flucht.
Will Jesus solch eine Beziehung? Das kann es doch nicht bedeuten. Ich höre vielmehr eine Verheißung daraus: ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben – ihr seid nicht auf euch allein gestellt in der Welt, ihr lebt immer in Beziehung. Menschen sind da, die euch lieben und es gut mit euch meinen, aber es sind immer auch andere da, die euch schlecht behandeln, euch schaden wollten, die sich von euch trennen und euch Leid zufügen.
Was trägt dann? Wer ist im schlimmsten Fall immer für euch da? Wer enttäuscht euch niemals, wenn Menschen es getan haben? Auf wen ist immer Verlass? Auf euren Gott, auf Jesus Christus. An ihm zu bleiben zahlt sich aus!










Gedanken zum Predigttext für den Sonntag Miserikordias Domini
(26. April)

Christus hat für euch gelitten. Er hat euch ein Beispiel gegeben, damit ihr ihm in seiner Fußspur nachfolgt. Er hat keine Schuld auf sich geladen und aus seinem Mund kam nie ein unwahres Wort.
Wenn er beschimpft wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er litt, drohte er nicht mit Vergeltung. Sondern er übergab seine Sache dem gerechten Richter. Er selbst hat unsere Sünde mit seinem eigenen Leib hinaufgetragen an das Holz. Dadurch sind wir für die Sünde tot und können für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Ihr wart wie Schafe, die sich verirrt hatten. Aber jetzt seid ihr zu eurem Hirten und Beschützer zurückgekehrt.Petrusbrief 2, 21b – 25
Man muss schon recht weit zurückschauen, um sich die besondere Rolle der Kinder in Erinnerung zu rufen, die mit heute nicht mehr zu vergleichen ist.
In früheren Generationen waren Kinder meistens wenig geachtet. Es gab sicherlich Ausnahmen. Aber generell war es doch so, dass Kinder nicht nach ihrer Meinung gefragt wurden, sie hatten zu gehorchen. Sie hatten bei Tisch den Mund zu halten und durften nur reden, wenn sie gefragt wurden.
Sie wurden, manchmal schon bei kleinsten Verfehlungen, geschlagen. Sie wurden nicht selten öffentlich gedemütigt, in der Schule zum Beispiel.
Niemand machte sich Gedanken darüber, wie sich ein Kind fühlt, ob es durch die Erziehung Schaden nehmen könnte.
Man sah Kinder mit einer bestimmten Einstellung an, die die ganze Gesellschaft teilte. So war das eben. So behandelte man Kinder. Weil….ja warum eigentlich? Weil jede Gesellschaft zu ihrer jeweiligen Zeit ein Bild vom Menschen hatte und daraufhin die Regeln aufstellte:
Ein Bauer hatte andere Rechte als ein Adliger, ein Knecht hatte die wenigsten Rechte. Kinder kamen noch dahinter.
Völlig verdrängt haben wir, dass es dahinter noch eine Gruppe gab: die Sklaven. Sie hatten gar keine Rechte. Wer ihnen Gewalt antat oder sie tötete, hatte nichts zu befürchten. Sie waren nicht mehr wert als Gegenstände, sie hatten beim Kauf sogar einen Preis.
Wir müssen uns vorstellen, dass diese Worte des Petrusbriefes einmal an getaufte Sklaven gerichtet waren. Es war nicht nur eine Empfehlung, wie sie sich verhalten sollten im Haus ihres Herrn, sondern auch eine wunderbare Ermutigung, ein großer Trost, denn die Botschaft hieß:
Du bist etwas wert. Du bist kein Gegenstand, du bist ein Mensch. Ein von Gott geliebter und geachteter Mensch. Nicht mehr und nicht weniger wichtig in Gottes Augen wie die Familie deines Herrn.
Du bist etwas wert! Das kannst du dir immer sagen, egal wie dein Herr dich behandelt. Und wenn er dich demütigt, dann denk immer daran, wie Jesus sich verhalten hat: er hat sich gegen seine Demütigung nicht gewehrt, er ist ruhig geblieben. Er hat es vielmehr Gott überlassen, Rache zu üben.
Und so solltet es auch ihr machen, liebe Sklaven. Nehmt euch an Jesus ein Beispiel und begehrt nicht auf. Bleibt in eurem Dienst und versucht ihn liebevoll zu tun. Dann erregt ihr auch keinen Unwillen, sondern im Gegenteil, werdet ihr vielleicht sogar gut behandelt.

Wichtig an diesen Worten des Petrusbriefes ist die Botschaft: durch deine Gotteskindschaft, die du durch die Taufe erhalten hast, bist du etwas wert! Du hast eine innere Würde und Wichtigkeit, die kann dir keiner nehmen, egal wie schlecht dich jemand behandeln mag.
Man hat ja Nelson Mandela nachgesagt, dass er mit solch einer inneren Würde die vielen Jahre als Gefangener überlebt hat. Mit einer Würde, die sogar seine Aufpasser dazu veranlasst hat, ihn zu respektieren oder vielleicht sogar auch,
ihn zu bewundern.
An dieses Verhalten muss ich denken. Nimm dir Jesus zum Vorbild. Er hat seine Situation akzeptiert, hat nicht aufbegehrt, weil er wusste, dass Gott für Gerechtigkeit sorgen wird. Das musste er nicht tun.
Nelson Mandela hat ja nach seiner Entlassung keine Rache geübt, er hat sich im Gegenteil für Versöhnung eingesetzt. Das hat ihm weltweite Bewunderung und Anerkennung gebracht. Aber gewollt hat er das bestimmt nicht. Sein Glaube, sein Menschenbild hat ihn so handeln lassen.

Du bist etwas wert, egal wie du lebst, egal wie Menschen dich behandeln. Bleib ruhig und sei dir deiner Würde bewusst, die die Taufe dir verliehen hat.
Dir kann keiner! Was du geschenkt bekommen hast von Gott, das kann dir keiner nehmen. Deshalb hast du die Freiheit, in Liebe zu leben und den Menschen mit Liebe zu begegnen. Lass sie doch machen, und wenn sie dich anpöbeln, bleibst du freundlich. Dann läuft ihre Pöbelei ins Leere.

Es ist nicht immer angebracht, sich nicht zu wehren, das soll damit nicht gesagt sein. Es geht vielmehr um das Menschenbild, das hier in den Vordergrund gestellt wird: du bist etwas wert, weil Gott dich sieht, weil er dich liebt und achtet. Vergiss das nicht in allem, was dir durch andere Menschen widerfährt.



















Gedanken zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Ostern (19. April)

Jesaja 40, 26 – 31
„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen?
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen. Seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: `Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber`?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Er gibt den Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen, aber:
Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Ganz klar, hier wird heftig argumentiert. Offenbar bestehen Zweifel an der Kraft Gottes. Jeder Gläubige, so möchte ich einmal behaupten, kennt den Zweifel.
Gerade dann, wenn das Leben schwierig geworden ist und die Hilfe Gottes gerne angenommen worden wäre, bleibt sie aus. Ist da nichts als Schweigen.
Wer dann überhaupt noch ein Gebet über die Lippen bekommt, fragt: Herr, wo bist du? Warum lässt du mich im Stich? Warum unternimmst du nichts gegen meine Leiden, meine Ängste?
Martin Luther hat ihn den „versteckten“ Gott genannt, der genauso existiert wie der „offenbarte“ Gott. Damit meinte er die Geschichten über Jesus Christus, vor allem jedoch sein Weg zum Kreuz und die Auferstehung. Darin hatte sich Gott den Menschen ein für alle Mal offenbart als Erlöser, Menschenfreund, Vater und Mutter, als Liebender. Aber so einfach ist das nicht. Es gibt eben auch den anderen, den Verborgenen, den Fremden, den, der schweigt.
Er aber sollte nicht das letzte Wort behalten. Weder der Tod hat das letzte Wort noch der Gott, der sich in der Not abwendet. Denn was Gott in Wahrheit ist und was er will, das steht alles schwarz auf weiß in der Bibel.

Auch schon im Alten Testament, eben dort beim Profeten Jesaja. Das Volk hatte seinen Glauben an Gott Jahwe verloren. Er hatte zugelassen, dass sie nach Babylon deportiert worden waren, und dort herrschte nicht Jahwe, sondern der Sternenhimmel. Die Babylonier schauten in den Himmel, um sich aus der Konstellation der Sterne die Wünsche der Götter herauszulesen. Sie verehrten die Sterne und beteten sie an. Das Schicksal Babylons stand sozusagen in den Sternen.
Sollten die Babylonier damit Recht haben? Fragten sich die Israeliten. Wer war denn ihr eigener Gott noch, den sie in Jerusalem zurücklassen mussten?
Hatte er seine Macht verloren? Diese schweren Zweifel taten ihre Wirkung.
Die Menschen haderten mit ihrem Schicksal, wollten sich darin ergeben und nicht mehr länger auf ihren Gott hoffen.
In diese Verzweiflung hinein spricht Jesaja: Schaut in den Himmel, ja – aber nur um euch darüber klar zu werden, wer mächtiger ist als die Sterne, nämlich der Schöpfer des Himmels und der Erde. Gott hat das alles erschaffen, er ist der Herr, er regiert mit seinem mächtigen Arm. Wer dagegen ist der König von Babylon?
Also: haltet euch an euren Gott. Er gibt den Müden Kraft und Stärke dem Unvermögenden. Die auf den Herrn vertrauen, kriegen neue Kraft, und zwar so viel auf einmal, dass sie fliegen können und laufen ohne müde zu werden.

Diese Kraft haben wir im Moment nötig. Wir brauchen Kraft, um diese Wochen und Monate im Ausnahmezustand durchzuhalten. Wie lange die Einschränkungen noch dauern werden, weiß noch keiner. Mit einem Impfstoff ist in diesem Jahr nicht zu rechnen.
Und dann immer wieder die Ermahnung zur Eigenverantwortung: Auf mich kommt es an, auf meine Einsicht und Vorsicht. Mein Verhalten entscheidet darüber, ob das Virus gestoppt oder weiter getragen wird.
Es ist in diesen Wochen von enormer Wichtigkeit, nicht leichtfertig etwas zu tun, es könnte tatsächlich jemanden infizieren.
Viele bleiben zuhause und müssen sich darüber nur wenig Sorgen machen, aber je mehr Auflagen nun gelockert werden, desto mehr hängt es jetzt vom Verhalten derjenigen ab, die arbeiten und zur Schule gehen.
Die Angst wird uns noch lange begleiten und unser Verhalten bestimmen. Man könnte darüber müde werden und denken: was hat sich Gott dabei gedacht?
Hat das Ganze einen Sinn? Wie soll das bloß alles weitergehen?

Manchem geht darüber die Kraft aus, die Anspannung hat sie ausgesogen. Oder auch die Verzweiflung darüber, dass die Firma nicht zu halten sein wird.
Gott, wo bist du? Warum musste alles so schlimm kommen, dass ich demnächst auf der Straße stehe?
Einfache Antworten verbieten sich. Denn Gott verschwindet manchmal im Dunkeln. Aber er kommt auch wieder hervor! Er bringt neues Licht und neue Hoffnung, er hat die Macht dazu. Der Schöpfer der Welt hat die Macht dazu, den Müden neue Kraft zu geben, Hoffnung, und Stärke.
Aus dieser Krise wird nicht nur Leid entstehen, sondern auch Neues geboren werden. Das Volk kehrte damals zurück nach Israel, Gott hatte seine Treue bewiesen. Das sollte auch uns ermutigen. Ihre Kerstin Popp






Ostern 2020

Liebe Gemeinde,

für mich macht es etwas aus, wenn im Vorspann eines Spielfilmes steht: „diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit“ – dann bekommt der Film eine höhere Bedeutung für mich.
Der Film „Ziemlich beste Freunde“ ist so ein Beispiel.
Ein arbeitsloser Farbiger aus einem Problemviertel in Paris kommt in die Dienste einen Superreichen, der durch einen Gleitschirmunfall vom Kopf an gelähmt ist.
Diese beiden völlig verschiedenen Männer befreunden sich.
So eine Geschichte erscheint wie ausgedacht, wie ein Märchen à la „Pretty Woman“ (reicher Mann verliebt sich in eine Prostituierte und heiratet sie).
Doch diese beiden Männer gibt es wirklich. Am Schluss des Films werden sie – wie zum Beweis der Wahrheit – im Abspann vorgestellt.

Wäre diese Geschichte „nur“ ein Märchen - wie „Pretty Woman“ eines ist - würde ich sie eher als unrealistisch abtun. Ich würde nicht glauben, dass es solche Art Freundschaft geben könnte, dazu ist die Welt nicht gemacht.
Da bleibt der Arbeitslose in seinem Armenviertel und der Superreiche in seiner Villa. So läuft es doch.
Meistens ja, aber eben nicht immer. Es gibt immer wieder Wunder, die die gewohnten Mechanismen durchbrechen.

So ein Wunder wird uns auch im Lukasevangelium Kapitel 24, 36-45 berichtet.
Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sowie alle anderen, die zu ihnen gehörten, befanden sich an einem Ort in Jerusalem, unschlüssig, was nun nach dem Tod ihres Herrn zu tun wäre.
Gerade waren die beiden Jünger aus dem Dorf Emmaus zu ihnen zurückgekehrt mit der freudigen Botschaft, dass ihnen Jesus nicht nur begegnet wäre, er habe sogar mit ihnen das Brot gebrochen.
Noch bevor allen die ganze Bedeutung dieser Begegnung klar wurde, geschah folgendes:

„Während sie noch redeten, stand Jesus plötzlich mitten unter ihnen. Er sagte: „Friede sei mit euch!“
Da erschraken alle und fürchteten sich. Denn sie meinten, ein Gespenst zu sehen. Und er sagte zu ihnen: „Warum seid ihr so erschrocken? Und warum zweifelt ihr in euren Herzen? Ich bin es wirklich: Seht meine Hände und Füße an. Fasst mich an und überzeugt euch selbst – ein Gespenst hat weder Fleisch noch Knochen, wie ihr sie bei mir sehen könnt.“
Während er so redete, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Vor lauter Freude konnten sie es immer noch nicht fassen und waren außer sich vor Staunen.
Da fragte er: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch. Er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Jesus sagte zu ihnen: „Als ich noch bei euch war, habe ich zu euch gesagt: Es muss alles in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich steht.“
Dann half er ihnen, die Heiligen Schriften richtig zu verstehen.“

In den Schriften steht, dass der Christus leiden muss und am 3. Tag auferstehen wird. Dies sollen die Anwesenden in Jesu Auftrag nun aller Welt verkünden mit der Aufforderung: ändert euer Leben!

Soweit das Zitat bei Lukas und in Ergänzung der Zusammenhang, in dem der Predigttext steht.
Jesu Erscheinen bei seinen Jüngerinnen und Jüngern und weiterer Gefolgschaft war für alle ein Schock. Sie meinten, ein Gespenst zu sehen, denn Jesus war doch tot. Aber ihr Herr benimmt sich wie ein echter Mensch. Um zu beweisen, dass er wirklich körperlich auferstanden ist und eben kein Geist sei, lässt er sich Fisch geben, den er vor aller Augen genüsslich verspeist.

Ich stelle mir vor, ich wäre eine der Jüngerinnen dort gewesen, Zeugin dieser Szene: Ich würde im ersten Moment glauben, ich bin im falschen Film.
Das kann alles nicht wahr sein. Ein Märchen. Sowas kommt einfach nicht vor, dass jemand, den ich vor drei Tagen noch tot am Kreuz habe hängen sehen, plötzlich wieder lebendig vor mir steht, spricht und dann sogar einen Fisch ißt.
Aber was ich für eine Märchenstunde halte, beruht auf einer wahren Begebenheit.
Es ist nicht der Normalfall, das ist wahr. Es ist eher ein großes Wunder. Aber eben nicht unmöglich in dieser Welt.

Dass Jesus auferstanden ist und lebt, ist eine wundervolle Botschaft. Nicht nur das Ereignis an sich, sondern die Konsequenzen daraus.
Wäre Jesus gestorben und nie wieder aufgetaucht, würdet ihr diese Predigt gar nicht lesen, liebe Gemeinde. Es gäbe ja nichts zu berichten und weiterzusagen.
Aber es ist anders gekommen.

Die Berichte von Jesu Erscheinen an vielen Orten und vor vielen Menschen beruhen auf einer wahren Begebenheit: er hat plötzlich in der Mitte gestanden, man konnte ihn anfassen, man konnte seine Wundmale sehen, und dann hat er sogar etwas gegessen. Mehr Beweis für sein Menschsein bedurfte es nicht.
Es war eben kein Gespenst. Gespenster sind ja nicht wirklich da, die bilden wir uns ein. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass es Jesus selber war, der dort stand. Aber wahr ist auch: er konnte nicht bleiben.
Also folgte auf das Staunen die Freude, aber dann hieß es auch schon Abschied nehmen von Jesus.
Liebe Gemeinde, wir verbringen nun schon seit Wochen eine Zeit, in der ich mich morgens manchmal kneifen muss um zu begreifen: du hast das nicht geträumt! Die Sonne scheint, die Vögel sind schon da, die Natur beginnt wieder zu leben, alles scheint wie immer zu sein zu Ostern. Aber es ist kein Märchen, diese Corona-Krise ist bittere Realität.
Sie bedeutet, Angst zu haben vor einer unsichtbaren Gefahr, wie sie in diesem Ausmaß für uns hier im Norden noch nie dagewesen ist.

Es sind ja nicht nur die Kranken selbst oder die mit dem Virus Infizierten, die leiden. Es leiden ja auch diejenigen, die zum Schutz vor Ansteckung die persönlichen Kontakte möglichst vermeiden sollen. Also wir alle.
Auch die zur Arbeit gehen und dort jedenfalls ein bisschen Gesellschaft und Abwechslung haben, tun es sicher immer mit einem mulmigen Gefühl.
Bitte Abstand halten, egal wo du bist!
Und doch ist das alles hinzunehmen und auszuhalten, wenn trotzdem mein Einkommen sicher ist. Ich denke sehr an alle, die neben der Angst vor dem Virus noch mehr Angst davor haben, dass sie in der Krise ihre Existenz verlieren.
Mit all diesen Ängsten feiern wir dieses Osterfest.
Die einen haben das Glück, ein paar Familienmitglieder im Haus zu haben, aber viele sind auch allein. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben an Ostern.

Was mich in diesen Tagen hoch hält, ist die Hoffnung, dass wir gut aus dieser Krise herauskommen werden. Wenn ich sehe, was auf vielen Ebenen alles getan wird dafür – nicht zuletzt die intensive Forschung nach einem Medikament und nach einem Impfstoff – bin ich zuversichtlich, dass unser Durchhaltevermögen zum Erfolg führt.
Es ist bewegend zu sehen, wie sehr sich alle Fachkräfte darum bemühen, und auch die Politikerinnen und Politiker ihr Bestes geben.
Natürlich gibt es in solch einer Krise Versagen, wir sind ja alle nur Menschen. Und es gibt traurige Beispiele für Unvernunft und Dummheit. Aber im Großen und Ganzen machen die Menschen einen guten Job, finde ich.

Ich sehe in all diesem Bemühen Jesus Christus durchscheinen. Er ist ja eben nicht im Himmel und schaut herab, nein: er packt mit an! Er ist dabei in den Krankenhäusern, er gibt die Kraft zum Durchhalten, er gibt den Mut, um das Leben der Kranken zu kämpfen.
Und er ist bei denen, die es nicht schaffen. Es heißt immer, sie sind ganz allein gestorben, weil ja niemand ihre Hand halten durfte. Aber das glaube ich nicht. Jesus war da – ist da. Gott lässt keinen Sterbenden allein, denn niemand kann uns nirgends trennen von Gott (hat Paulus gesagt)
Ich stelle mir vor, dass man sich geborgen fühlt und Licht sieht, wenn es zuende geht, auch wenn es ohne Angehörige in einem Krankenzimmer geschieht.
Jesus Christus begegnet auch uns, wir müssen ihn nur erkennen. In einem Telefongespräch, das anregend war, vielleicht oder durch die vielen Hilfsangebote zum Einkaufen, durch all die schönen Ideen, die die Menschen haben, um anderen zu helfen oder mal zum Lachen zu bringen.

Ihr seht es ja selbst, wie Jesus war, liebe Gemeinde, als er da so plötzlich als Auferstandener in Jerusalem auftauchte: „Gebt mir mal was zu essen, ich sterbe vor Hunger!“ Ich glaube, solchen Humor hatte er.

Letztendlich aber heißt Ostern auch, das Leben feiern, den Sieg des Lebens über den Tod.
Denn bei dem, was über Jesus erzählt wird, handelt es sich um eine wahre Begebenheit. Halleluja!

















Gedanken zum Predigttext Markusevangelium 14, 3-9 am Sonntag Palmarum
(5. April 2020)

Jesus war in Betanien. Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen.
Als er sich zum Essen niedergelassen hatte, kam eine Frau herein.
Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei. Es war reines, kostbares Nardenöl. Sie brach das Fläschchen auf und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf.
Einige ärgerten sich darüber und sagten zueinander: „Wozu verschwendet sie das Salböl? Das Salböl war mehr als dreihundert Silberstücke wert. Man hätte es verkaufen können und das Geld den Armen geben.“
Sie überschütteten die Frau mit Vorwürfen.
Aber Jesus sagte: „Lasst sie doch! Warum macht ihr der Frau das Leben schwer? Es wird immer Arme bei euch geben, und ihr könnt ihnen helfen, sooft ihr wollt. Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.
Die Frau hat getan, was sie konnte: sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt.
Amen, das sage ich euch: Überall in der Welt, wo die gute Nachricht weiter gesagt wird, wird auch erzählt werden, was sie getan hat.
So wird man sich immer an sie erinnern.“

Simons Gäste werden Zeugen einer immensen Verschwendung. Blitzschnell bildet sich der Gedanke in ihren Köpfen: hier läuft gerade das gesamte Jahresgehalt eines Mannes über Jesu Kopf.
Wir könnten auch sagen: in den Augen der Gäste stand das Dollarzeichen.
Ihr Blick auf das Wesentliche war in dem Augenblick verschleiert, als die Flasche zerbrach und die Frau das köstliche Öl über Jesus ergoss.
Was hätte man mit dem Erlös für das Öl nicht alles kaufen können, um es den Armen zu geben!
Genauso hätten sie denken können: wenn Jesus bei seinen Heilungen öfter einmal eine Nachtschicht eingelegt hätte, wie viele Kranke mehr hätte er gesund machen können! Stattdessen lässt er sich zum Ausruhen auf den See hinaus rudern oder geht tagelang in die Wüste! Was für eine Verschwendung seiner ärztlichen Fähigkeiten. Dann hätten nicht nur die Armen etwas von dem Salböl gehabt, sondern auch die Kranken von seiner Heilkunst.
Stimmt es nicht? Doch. Vor der Corona-Krise haben die meisten Menschen hier bei uns wahrscheinlich dasselbe gedacht wie die Gäste bei Simon.
Man muss schließlich immer wirtschaftlich denken. So funktionierte zuerst die Industrie ganz hervorragend. Warum dann nicht auch im Sozialbereich, im Medizinbereich nach dem Motto agieren: der Betrieb muss Gewinn abwerfen?
Gesagt, getan. Aber mitten in der Corona-Krise sind dann doch andere Werte wichtiger als Geld. Füreinander da sein, sich gegenseitig helfen, selbstlos handeln, und das alles aus der Hoffnung heraus, dass diese Zeit auch enden wird.
Die Frau kam mit dem Salböl zu Jesus aus dem einen Grund: ihr war es das wert. Sie wollte ihm Gutes tun, mit dem Ausblick auf sein baldiges Ende.
„Du salbst mich im Voraus. Du weißt, was kommt. Ich nehme mein Schicksal an. Du darfst dieses Öl an mich verschwenden, denn es erfüllt den Sinn, den du, liebe Frau, ihm hier gibst, dass du mir die Ehre erweisen willst als Gottes Sohn.“

Jesu Schicksal, sein Leidensweg, hat einen noch wesentlich tieferen Sinn als nur für ein gutes Miteinander im Krisenfall einzustehen. Es geht um Leben und Tod. Um Leben nach dem Tod genauer gesagt.
Wir möchten den Tod vermeiden, Leben retten und Leben bewahren. Für nichts anderes sind alle Vorsichtsmaßnahmen gedacht.

Der Blick auf die Szenerie im Hause des Simon erweitert unser Leben über das endliche Dasein hinaus. Zwischen Jesus und der Frau geht es längst nicht mehr ums Geld, sondern um das große Geschenk, das er uns zu Ostern macht, mehr wert als alles Salböl dieser Welt zusammengenommen.

Und weil wir – Corona hin oder her – dieses Geschenk haben, leben zu dürfen als Kinder Gottes, verschwenden wir auch etwas: Liebe



Bitte bleiben Sie gesund und Gott befohlen!

Ihre Pastorin Kerstin Popp

















Ein paar Gedanken zum Predigttext am Sonntag Judika (29. März)

„Jesus hat – damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut – gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Hebräer 13, 12 – 14

Liebe Gemeinde,
„so lasst uns nun hinausgehen“ – das ist gerade nicht so einfach für uns. Wir sollen möglichst drinbleiben. Das tun die allermeisten auch sehr gewissenhaft. Nicht nur zum eigenen Schutz, sondern selbstverständlich auch zum Schutz der Mitmenschen.
Und doch ist es so, dass allein die Möglichkeit, bei diesem schönen Wetter einen Spaziergang machen zu dürfen, die Stimmung enorm hebt. Allein die Aussicht, jederzeit hinausgehen zu können, wenn ich es möchte, stärkt die Moral, diese besondere Situation der Kontaktsperre auszuhalten.

Diese wenigen Verse aus dem Hebräerbrief handeln von der Bewegung.
Opfer wurden im geschlossenen Raum, am Altar des Tempels gebracht. Tieropfer wurden verbrannt, um Gott gnädig zu stimmen, damit er von Strafen gegen die sündigen Menschen absehen möge.
Die Reste der Brandopfer wanderten dann hinaus aus dem Heiligtum vor das Tor, an den Ort also, wo das pralle Leben herrschte. Menschen waren dort unterwegs wie bei uns im Einkaufszentrum oder in der Fußgängerzone.

Dort – und nicht in der Abgeschiedenheit des Tempels – brachte Jesus sich zum Opfer. Das hat Gott nicht zufällig so gewählt, sondern absichtlich. Die Botschaft für uns: Jesus findet ihr nur mitten im Leben! Auf dem Wochenmarkt ebenso wie in einem Konzert, bei der Arbeit oder in den Klassenzimmern. Er findet sich an jedem Ort, wo Menschen seiner Nähe bedürfen. Also auch in den eigenen vier Wänden gerade, beim Spaziergang durch leere Straßen oder durch den Wald.

Wir sollen uns in Bewegung setzen, auch hinausgehen. Nicht in den Kirchen sitzen, die müssen geschlossen bleiben. Hinausgehen an den Ort, wo die Menschen sich begegnen und leben – und genau dort Jesus erleben.
Aber welchen Jesus erleben wir? Einen Jesus, der leidet. Wer mit ihm zu tun haben möchte, kommt um diese Tatsache nicht herum: hier geht es um eine Schmach, die zu tragen ist. Mit Jesus zusammen.
Im Moment hat die „Schmach“, ich nenne sie lieber „Belastung“ verschiedene Namen für mich.
Diese Covid 19 – Krise macht mir Angst. Es hieß: die Krankenhäuser befinden sich in der Ruhe vor dem Sturm. Was heißt das? Was kommt da noch auf uns zu? Es fühlt sich bedrohlich an.
Wie geht es meinen Liebsten? Sind sie geschützt? Manche gehen weiterhin zur Arbeit. Hoffentlich stecken sie sich nicht irgendwo an.
Mir selber geht es gut, es ist genug Klopapier daJ, ich habe genug zu essen im Haus. Ich könnte diesen Zustand noch eine Weile ertragen. Man weiß ja, dass es einem einzigen Ziel dient: dass möglichst viele Menschen gerettet werden.

Und doch: diese Zeit ist eine schwere Belastung, eine Last, die wir alle tragen.
Ich habe ein schönes Zitat gefunden, das zur Botschaft des Predigttextes passt, finde ich.
Ein Zitat von Bertold Brecht aus der „Mutter Courage“: Blüh auf, gefrorner Christ“ – das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ“
Da steht doch die Sonne am Himmel und schenkt uns so viel Zuversicht und Hoffnung. Aber soweit dieser Planet in Wahrheit von uns entfernt ist, so nah ist Jesus Christus. Er wärmt uns, einfach indem er da ist.

Wer auch gerade viel allein sein mag, dem sei versichert: Jesus ist neben dir und trägt diese Belastung mit.
Der Glaube bringt einen Christen in Bewegung - selbst in einem Zimmer oder auf dem Balkon.
Es ist die Zuversicht, dass Hilfe naht. Vorfreude auf die Zeit danach. Und nicht zuletzt auch das Gefühl der Dankbarkeit für das, was gerade ist: ich lebe.
Die Natur erwacht zum Leben. Licht und Wärme durchfluten die Häuser. Und die Krankenzimmer. Und die Zimmer in den Pflegeheimen.
Blüht auf, gefrorne Christen. Bleibt hoffnungsvoll in Bewegung. Bleibt behütet!








Liebe Gemeinde!
Erinnern Sie sich an den Reaktorunfall in Tschernobyl? Ich weiß noch genau, wo ich war, als die Nachricht kam. Sie auch?
Ich war in Hamburg im Studentenwohnheim, die Tagesschau brachte die Nachricht und eine Kommilitonin flüsterte neben mir: „das ist der Supergau“
Ich verstand sie zuerst nicht, ich hatte keine Ahnung, was das bedeutete.
Die Nachrichten überschlugen sich in den nächsten Tagen. Keiner wusste so recht, wie schlimm es war. Wohin der Wind die radioaktive Wolke getrieben hatte. Wie hoch die Belastung war.
Deshalb sollte man auf gar keinen Fall hinausgehen, wenn es regnet. Keinen Salat aus dem Garten essen. Die Kinder schützen. Ich hatte eine Mega-Angst. War auf einem Spaziergang von einem Regenschauer überrascht worden.
Über Wochen hinweg erhielten wir immer mehr Informationen über das Ausmaß der Katastrophe. Wir im Norden hatten noch Glück, die Wolke war nach Süden geweht worden, nach Bayern. Dort kann man heute noch in Pilzen einen erhöhten radioaktiven Wert feststellen.
Es gab schlimme Nachrichten über erwartete Krebstote, ausgelöst durch die Folgen von Tschernobyl. Die hat es in der Ukraine auch nachweislich gegeben. Viele Kinder von dort kamen nach Deutschland in Privatfamilien, um sich über ein paar Wochen von der ständigen Strahlenbelastung zu erholen.
Das ist jetzt über 30 Jahre her, aber man vergisst es nicht. Genauso wenig werden wir jemals diese Tage und Wochen vergessen, die wir durch die Corona-Krise erleben.
Die Angst, die ich damals als junge Studentin hatte, weil ich nicht wusste, was jetzt auf mich zukommen würde, ist wieder da.
Aber ich habe die Erinnerung daran, wie das Leben damals trotzdem weiterging. Wie wir aufgepasst haben mit dem Essen, wie die sachlichen Informationen allmählich überwogen und die Horrormeldungen verstummten.
Wir richteten uns danach, was uns empfohlen wurde, und fanden zurück in den Alltag.
Auch damals wurde gebetet um Gottes Hilfe, um Zuversicht und Hoffnung gegen die Angst. Allerdings konnten wir immer Gottesdienst halten.
Aber das Schöne ist ja, dass wir die Bibel auch zuhause lesen können. Die Mutmach-Geschichten darin, in denen Gott nahe ist und rettet.
Wir haben Tschernobyl überlebt, wenn auch nicht vergessen. Wir schaffen auch diesen Virus irgendwann.
Bleibt behütet und bewahrt euer Vertrauen in Gott. Mein Lieblingsspruch ist der Vers Josua 1,9:
Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist, denn ich, dein Gott, bin mit dir in allem, was du tun wirst.










„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus!
Er ist der Vater, der uns Barmherzigkeit schenkt, und der Gott, bei dem wir Ermutigung finden.
Er ermutigt uns in all unserer Not. Uns so können auch wir anderen Menschen in ihrer Not Mut machen.
Wir selbst haben ja ebenso durch Gott Ermutigung erfahren.
Denn das Leid, das Christus erlebt hat, wird zwar auch uns in reichem Maß zuteil. Aber genauso erfahren wir in reichem Maß auch die Ermutigung, die er schenkt. Mehr noch:
Wenn wir in Not geraten, so geschieht das, damit ihr ermutigt und gerettet werdet. Und wenn wir ermutigt werden, so geschieht auch das, damit ihr neuen Mut schöpft.
Mit dessen Hilfe könnt ihr geduldig dieselben Leiden ertragen, die auch wir ertragen müssen.
Was euch betrifft, sind wir sehr zuversichtlich. Denn wir wissen, dass ihr genauso an der Ermutigung Anteil habt wie an dem Leiden“

Wir befinden uns ja in der sogenannten Passionszeit, den Wochen vor Ostern, in denen wir sonntags im Gottesdienst den Leidensweg Jesu bedenken.
Und nun haben diese Verse aus dem 2. Korintherbrief, die der Apostel Paulus verfasst hat, eine ungeahnte Aktualität erfahren.
Plötzlich befinden nicht nur wir uns in einer nie dagewesenen Not, sondern gleich die ganze Welt.
Wir fühlen eine Bedrohung durch den Corona-Virus, die sich bei den Gesunden nur im Kopf abspielt.

Es ist, als ob man am Strand stünde und wartet auf die angekündigte Tsunami-Welle, ohne sie zu sehen und ohne zu wissen, wie hoch diese Welle wirklich ausfallen wird. Was sie anrichten wird.E
Keiner kann uns das zu dieser Stunde vorhersagen. Wer kann von sich sagen, dass solche Aussichten nicht auch Angst auslösen?
Denn wir leben gut in diesem Land, gut und sicher. Alles ging vorhersehbar seinen geregelten Gang, die Termine geplant bis ans Ende des Jahres.
Und nun das!
Für unsere Vorfahren, für Paulus war die Not Alltag. Die Bedrohung normal.
Paulus tröstet: durch Gott erfahren wir Ermutigung, uns der Not zu stellen.
Er hilft uns, gibt uns Kraft, so dass wir auch anderen Menschen in ihrer Not Mut machen können. Denn Panik hilft niemandem.
Manche Menschen lernen sich im Leiden von einer ganz neuen Seite kennen. Sie erleben, dass eine innere Zuversicht da ist, dass sie das Leid überwinden werden. Und diese positive Einstellung gibt ihnen Ruhe, sie behalten die Ruhe und können anderen helfen.
Paulus hat diese Zuversicht auch gehabt, weil er sich an Jesus orientiert hat. Weil er, wie Jesus, sein Leiden annehmen wollte. Als Aufgabe, die er zu bewältigen hatte. Immer mit dem festen Vertrauen: Gott führt mich dadurch.

Gott führt uns dadurch. Das ist meine Zuversicht, liebe Gemeinde.
Lasst euch von Paulus ermutigen! Amen.