500 Jahre Bordesholmer Altar – ein Kunstwerk an einer Zeitenwende

Etwa zehn Jahre lang wirkte der Bildschnitzer Hans Brüggemann in Schleswig-Holstein. In dieser Zeit schuf er Werke von höchstem künstlerischen Rang. Weder vor ihm noch nach ihm gab es in Nordeuropa Schnitzwerke, die an seine Kunst heranreichten. Sein Hauptwerk, der sogenannte Bordesholmer Altar, entstand in dieser Zeit. Es schuf den Altar für die Klosterkirche in Bordesholm, die als fürstliche Grablege gedacht war. Die Mönche dort sollten für das Seelenheil des Stifterehepaars beten. Der Altar sollte sie immer wieder daran erinnern. 1514 wurde die erste Ehefrau des Stifters, Anna von Brandenburg, in Bordesholm bestattet.

Doch dann kam die Reformation: im Jahr der Fertigstellung des Altars, 1521, stand Martin Luther in Worms vor Kaiser und Reich und war nicht bereit, seine Thesen gegen den Ablass zurückzunehmen. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.“ Die Reformation der Kirche ließ sich nicht mehr aufhalten. Der Ablasshandel fand ein Ende und niemand mehr stiftete Kerzen, Priestergehälter oder Altäre. Auch der Bordesholmer Altar wurde nicht mehr fertiggestellt, seine Außenflügel, die man zuklappen konnte, wurden nicht mehr bemalt.

Und der Herzog wurde 1523 als Friedrich I. König von Dänemark. Als König entschied er, dass er im Schleswiger Dom begraben sein wolle. Dort befindet sich deshalb die Grablege der Gottorfer Herzöge. Einer seiner Nachfahren, Herzog Christian Albrecht, liess den Altar 1666 nach Schleswig bringen. Auch das war letztlich eine Folge der Reformation, denn das Kloster in Bordesholm war längst aufgelöst.

In einem Vortrag soll es um diesen Altar und sein Jubiläum gehen. Was ist das Spektakuläre an diesem Altar? Warum gilt er als eines der größten Kunstwerke des Landes? Warum stehen Kunsthistoriker und Theologen immer wieder staunend vor ihm? Was erzählt uns der Altar – vom Glauben, von der Reformation, von der Geschichte des Landes, von der Mode seiner Zeit? Und was hat er mit Albrecht Dürer, dem gefeierten Künstler aus Nürnberg, zu tun? Davon wird Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski erzählen.

Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski wurde 2008 an den Schleswiger Dom berufen. Sie ist Dombeauftragte und hat die Jubiläumsfeierlichkeiten angeregt und mit vielen anderen zusammen vorbereitet. Neben all den anderen Kunstwerken im Schleswiger St. Petri-Dom liegt ihr der Brüggemann-Altar besonders am Herzen. Sie hat sich intensiv mit ihm und seinem Stifter befasst und staunt immer wieder über das Gesamtkunstwerk und die aufwendig geschnitzten Details, die man aus der Entfernung gar nicht sehen kann, sondern nur aus allernächster Nähe und auf den Fotos, die sie mitbringt.

Am Donnerstag, dem 27. Januar 2022 wird Frau Pastorin Lasch-Pittkowski den Vortrag von 19 bis 21 Uhr im Dag-Hammarskjöld-Haus bei der Kirche in Schuby, Bahnhofstraße 3 halten. Die Kirchengemeinde und der Ortskulturring Schuby sowie die Gruppe „Themen, die mich angehen“ laden dazu unter 3G-Regeln ein. Hörgeräteträgern wird über eine spezielle Anlage besseres Sprachverständnis angeboten.